Märchen & Geschichten aus dem Ruhrgebiet

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Der Begriff „Märchen“ stammt von dem mittelhochdeutschen Begriff „maere“ ab und bedeutet soviel wie Kunde, Bericht oder auch Nachricht.

Es handelt sich um eine bedeutsame, sehr alte Textgattung, die bis zur Entstehung des Buchdruckes, meist nur mündlich überliefert wurde. Diese Geschichten sind durchgehend Prosatexte.

Spannenderweise treten diese alten Erzählungen in sämtlichen Kulturkreisen auf. Im deutschsprachigen Raum sind diese Geschichten eng mit den Gebrüdern Grimm verbunden. Allerdings gibt es auch die Erzählungen aus 1001 Nacht, oder auch die Märchen von Hans-Christian Andersen.

Es wird unterschieden in Volksmärchen und in Kunstmärchen.

Volksmärchen wurden mündlich überliefert und haben einen anonymen Ursprung. Dies unterscheidet sie z.B. auch von Sagen und Legenden, welche zumindest örtlich oft genau definiert sind.

Kunstmärchen sind einem bestimmten Autor zugeordnet, wie z.B. Andersen.

Märchen sind frei erfunden und die Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt und haben einige charakteristische Eigenschaften:

  • Meist beinhalten sie das Erscheinen phantastischer Elemente, wie z.B. sprechende Tiere, die sich durch menschliche Eigenschaften präsentieren
  • Oft spielen Zaubereien, Hexen, Geister und Fabeltiere (z.B. ein Einhorn) eine wichtige Rolle
  • Sie beschreiben subtil sehr oft sozialrealistische oder sozialutopische Züge, d.h. sie berichten unterschwellig über soziale Begebenheiten, wie z.B. Armut, Knechtschaft, Hunger, Familienstrukturen

Durch den Buchdruck wandelte sich die Erscheinungsform von der mündlichen Überlieferung in die Schriftform und es gab ab diesem Zeitpunkt auch die Bebilderung der Geschichten.

Seit 2016 gehört das Märchenerzählen zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

Alle Märchen haben eine feste Handlungsstruktur, die meist mit archetypischen Akteuren verbunden sind. (Held, Gegenspieler, Helfer, usw.)

Einwurf: Archetypen

Dieser Begriff stammt aus der analytischen Psychologie und beschreibt die Grundstruktur menschlicher Vorstellungs- und Handlungsmuster, die dem kollektiven Unterbewussten zu Grunde liegt.

Diese Muster beeinflussen das menschliche Verhalten und das Bewusstsein. Einige Archetypen entsprechen den zentralen und kollektiven Ur-Erfahrungen, wie z.B. Geburt, männlich/weiblich, Kindheit, Pubertät, Wandlung, Tod, etc.)

Der tiefenpsychologische Ursprung geht auf Carl-Gustav Jung zurück, einem Zeitgenossen von Siegmund Freud, der dessen Idee der Psychologie noch erweiterte.

Archetypen sind oft nur unbewusst erfahrbar, wie z.B. in Träumen oder Visionen. Oft zeigen sie sich auch in Symbolen, wie etwa Kreise, Ringe, Kronen, Heiligenschein oder auch das Kreuz.

Auch dies ist in vielen Kulturen ähnlich verwurzelt, wie z.B. die Mutterfigur, der Held oder auch Bäume.

 

Das Hauptthema des Märchens ist meist der Kampf zwischen „Gut“ und „Böse“. Im Mittelpunkt steht meist ein Held, der den Kampf gegen das Böse gewinnen muss. Meist wird das Gute extrem belohnt und das Böse extrem bestraft.

In Märchen spiegeln sich auch oft moralische Ansichten und Werte der Gesellschaft wider.

Märchen sind sehr alt und reichen weiter zurück als jede andere literarische Form. Zu den ältesten Märchen gehören die Zaubermärchen.

Oftmals behandeln Märchen die gleichen Themen in unterschiedlicher Fassung. Auch dies gilt kulturübergreifend.

Mittlerweile gibt es Zentren, in denen man sich zum Märchenerzähler ausbilden lassen kann.

Auch weiterführende Literatur hat sich dem Thema Märchen gewidmet. So gibt es z.B. das Buch „Die Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés, in dem die Autorin anhand der Analyse von Märchen, die Urinstinkte der Frau versucht zu finden und zu beschreiben.

Zum Schluss noch eine Definition des Märchens:

  • Im Volk überlieferte Erzählung, in der übernatürliche Kräfte und Gestalten in das Leben der Menschen eingreifen und meist am Ende die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden.

 

Quellen:          www.buecher-wiki.de

www.philognosie.net